Soap & Skin
Schaurig schöne Wahrhaftigkeiten
Soap & Skin
Schaurig schöne Wahrhaftigkeiten
Die Österreicherin Anja Plaschg macht es einem nicht leicht. Ihre Musik macht sprachlos, hinterlässt Staunen – und sie selbst hat keine große Lust über sie zu reden. Unter dem Pseudonym Soap & Skin komponiert die auf einem Bauernhof in Südösterreich aufgewachsene Teenagerin schaurige schöne Arrangements, in denen man Fröhlichkeit vergebens sucht. Tragisch, dramatisch und von Melancholie durchtränkt sind sie, die Lieder der grade mal 19-Jährigen. Begleiten tut sie ihren betrübt melodischen Gesang selbst. Am Piano, zuweilen mit der Geige und oft mit entrücktem elektronischen Hintergrundrasseln. Alle das zusammengeschnürt in Kompositionen, die keinem herkömmlichen Schema folgen. Nur ein Lied ihres grandiosen Debütalbums „Lovetune For Vacuum” klingt wie ein normaler Song. Die übrigen Sensationen zeichnen sich durch ein frei mäanderndes Flüstern, Heulen und Kreischen aus, das keinen üblichen, massenwirksamen Refrainstrukturen folgt. Dass augenblicklich trotzdem die Menschen aus allen Teilen der Welt der Kunst dieser publikumscheuen Newcomerin verfallen, liegt nicht zuletzt an der Unverfälschtheit ihrer Klangwelt. Denn Anja Plaschg wirft ihre ganze Seele in jedes Stück und lädt jenes mit einer gespenstischen Authentizität auf, die manch dauerhaft lächelndes Popkehlchen gern für sich beanspruchen würde. Doch künstlerische Wahrhaftigkeit ist nicht trainierbar. Sie ist ein Stachel in der Persönlichkeit ihres Schöpfers. Im Falle dieser Wienerin ein ganz tragischer. Und einer, dessen Wirkung magische Musik entstehen lässt, der selbst Menschen ohne Hang zur Schwermut schnell und unwiderruflich verfallen.
Soap & Skin: Lovetune For Vaccum (Couch Records/Pias/Rough Trade)

