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Robert Glasper: Double-Booked

Von: Karo Juchnik

Robert Glasper zählt heute zu den wohl außergewönlichsten kontemporären Künstlern der Jazzszene.

Geboren und aufgewachsen in Houston, Texas (USA), verdankt er seine schon frühe musikalische Prägung der eigenen Mutter, die sowohl Gospelsängerin, als auch Leiterin einer Band war. Auf diese Weise kam Glasper mit den lokalen Blues- und Jazzclubs in Berührung und spielte schließlich im Alter von 12 Jahren in der Kirche Klavier. Diese Erfahrung lehrte ihn, nach eigenen Aussagen, die nötige Sensibilität um sein Publikum zu erreichen und das Zwischenspiel aus persönlichen Gefühlen und der in der Musik liegenden Emotionen. Durch seine klassische Ausbildung an der renommierten Houstoner „High School for the Performing & Visual Arts“ und das spätere Studium an der New Yorker „New School for Jazz & Contemporary Music“ verfügt er über ein fundiertes Wissen reichend von Jazz über Swing und Bebop bis hin zu freien Formen.  

Der mittlerweile 32jährige Pianist und Komponist lebt schon seit einigen Jahren in New York, wo er auch seinen einzigartigen Sound kreiert.  Er selbst bezeichnet  seine Kunst als Musik-Milchshake, da er mit Jazz und HipHop zwei Richtungen miteinander verbindet, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Denn abgesehen von seinem klassischen „The Robert Glasper Trio“ gemeinsam mit Vicente Archer (Bass) und Chris Dave (Drums), tobt er sich noch anderweitig aus.  Der Name der zweiten und besonderen Formation „The Robert Glasper Experiment“ steht hier exakt für eben diese innovative Fusion, in der er seine beiden musikalischen Vorlieben experimental einander näher bringt. Er lässt sich dabei von Rappern oder Produzenten wie J Dilla inspirieren, zu dem er zu dessen Lebzeiten in engem Kontakt stand und eine andere Art lernte die Akkorde über bestimmte Rhythmen zu legen. So kann er heute auf eine Kooperation mit namhaften Größen wie Bilal, Mos Def, The Roots, Jay-Z, Talib Kweli, Common, Slam Village und Erykah Badu zurückblicken.          

Erschien sein Debüt Album „Mood“ 2004 noch bei „Fresh Sounds/New Talent“, ist er nun seit 2005 bei dem Majorlabel „Blue Note Records“ unter Vertrag und veröffentlichte dort noch im gleichen Jahr seine zweite Platte „Canvas“ und die dritte „In My Element“ folgte im Jahr 2007. Nun ist es wieder soweit und alle Jazz, Hip Hop Fans oder alle anderen Freaks, die keine Scheuklappen auf den Ohren haben, dürfen auf sein viertes Werk „Double-Booked“ gespannt sein. Double-Booked, weil dem Zuhörer beides geboten wird: sechs Stücke widmet der Künstler seinem Trio und sechs weitere liefert das Experiment. Der erste Teil der Platte endet mit einer Version von Theolonius Monks „Think of One“, bei der es Glasper gelingt Ahmad Jamals „Swahililand“ einzubringen, dessen Akkordabfolge die Basis für De La Souls HipHop Klassiker „Stakes Is High“ (1996) gründete. Mit seiner Kombination aus Hi-Hat und Bass Drum fungiert dieses Stück als gelungene Überleitung zu den HipHop orientierten Stücken. Bei „4Eva“ verewigte sich in einem Liveausschnitt abermals Mos Def, wohingegen „Butterfly“ ursprünglich aus der Feder des Pianisten und Crossover Pioniers Herbie Hancock stammte und mit Casey Benjamins Vocoder-Effekt und J Dillas Beat von „F-the Police“ daraus eine völlig neue Kreation geschaffen wurde. Den endgültigen Abschluss bietet dann „ Open Mind“, welches versetzt mit Texturen und Stimmelementen des Turntable-Spezialisten Jahi Sundance und Bilals Stimme das Album abrundet.

Glaspers Musik fasziniert eben nicht nur durch seine improvisierende Kreativität während seiner Live-Auftritte, sie richtet gleichzeitig einen ästhetischen Blick auf die einzelnen Unterschiede der einzelnen Richtungen, deren Elemente wie in einer Symbiose zu verschmelzen scheinen. Er beflügelt uns mit zugänglichen Melodien, einem eindringlichen Rhythmus und originellen Arrangements, in denen er seine repetitiven Figuren und zirkulierenden Motive wie einen Loop abspielt. Der warme pumpende Bass, seines Kollegen Derick Hodge ist bis dato in keiner Jazz-Combo in dieser Form zu hören und selbst elektronische Elemente finden dort ihren Platz. Wer jetzt also mehr als neugierig geworden ist, sollte ab dem 21. August die Plattenläden ansteuern und sich einfach mal trauen Glaspers ungewohnten Milchshake auszuprobieren – schaden kann es mit Sicherheit nicht den eigenen Musikhorizont zu erweitern! Und um dieses mit einem Zitat Glaspers abzuschließen: „It`s a good way to bring my generation into checking out the music. … I have to bring something into the music that they`ve heard and can relate to.“   
 

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