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ANIMAL COLLECTIVE

Von: Michael Leuffen

Seit knapp neun Jahren überrascht die amerikanische Avantgarde-Pop-Band Animal Collective mit jeder ihrer Veröffentlichungen durch atemberaubende Ideen jenseits der Norm.

Animal Collective

Animal Collective: Merriweather Post Pavillon (Domino/Indigo)

Seit knapp neun Jahren überrascht die amerikanische Avantgarde-Pop-Band Animal Collective mit jeder ihrer Veröffentlichungen durch atemberaubende Ideen jenseits der Norm.

Auch ihr neuntes Album „Merriweather Post Pavillon” schließt in seiner Atmosphäre an keinen aktuellen Trend an. Dass das Quartett diesmal als Trio tätig war, weil Gitarrist Josh Dibb alias Deakin eine kleine Auszeit für sich beanspruchte, hat der Kreativität nicht geschadet. In einem Studio in Oxford, Mississippi, haben David Portner alias Avey Tare, Noah Lennox alias Panda Bear und Brian Weitz alias Geologist auch ohne viel Gitarrenspiel Unwiderstehliches jenseits des Konsens geschaffen. Vor allem Bass und Gesang standen im Zentrum des künstlerischen Interesses. Panda Bears Stimme verzaubert fast durchgehend in diversen Klangfarben, ohne dass sie einer wirklichen Songstruktur folgt. Im Hintergrund flirren Sounds und Samples scheinbar strukturlos übereinandergelagert umher und verbreiten eine verlockend psychedelische Popstimmung von nachhaltiger Wirkungskraft. LOOP traf Avey Tare zum Zwiegespräch um mehr über eine der originellsten Bands der Gegenwart zu erfahren.

LOOP: Ihr veröffentlicht fast jährlich ein neues Album – woher nehmt ihr die Ideen?
Avey Tare: Die entstehen durch unsere musikalische Kommunikation. Die Arbeit an einer Platte ist für uns das Größte. Vor allem weil wir im Studio experimentieren können. Wir fühlen uns dann wie in einem Kinderzimmer mit ganz viel Spielzeug und gehen ganz unbefangen ans Werk.

LOOP: Euer neues Album klingt nicht so experimentell wie mancher Vorgänger. Vor allem der Gesang ist trotz seiner ungewöhnlichen Produktion sehr verführerisch.
Avey Tare: Für uns ist Gesang das Wichtigste, denn von ihm kommen die Melodien. Alle weiteren Instrumente richten sich danach. Wir sind keine großen Instrumentalisten, deshalb halten wir vieles simpel. Die Stimme ist das große Experimentierinstrument, das alles trägt.

LOOP: Spielen Texte dabei eine untergeordnete Rolle?
Avey Tare: Nicht unbedingt, aber sie stehen nicht im Vordergrund. Wir singen immer über normale Dinge, denn wir verstehen unsere Musik als universelle Sprache. Wir erzählen vom Familienleben, von der Arbeit und dem Alltag. Wir sind keine 20 mehr und singen über Dinge die Menschen erleben, die in der Mitte ihres Lebens stehen. Unsere Platten bilden dabei eine bestimmte Zeitperiode unseres Lebens ab. Sie sind wie ein Tagebuch. Jede Platte ist ein Abbild der Stimmung, die gerade zwischen uns herrscht.

LOOP: Ihr lebt geografisch weit auseinander, wie könnt ihr da so intensiv arbeiten?
Avey Tare: Wir schicken uns Demos hin und her. Ich lebe in New York, Brain in Washington und Noah in Lisabon. Nachdem wir Ideen gesammelt haben gehen wir auf Tour. Live wird dann alles ausprobiert und nach der Tour nehmen wir dann die Platte auf. Für uns gibt es keine Grenzen zwischen touren und Platten aufnehmen. Andere Bands teilen das auf, für uns ist das alles ein großer künstlerischer Prozess.

LOOP: Und wieso bist du noch als Einziger von euch in New York?
Avey Tare: Weil ich die Stadt liebe. Leider hat sich heute in Stadtteilen wie Williamsburg sehr viel verändert. Es ist nicht mehr so arty wie es mal war. Wenn man das heute sucht, muss man weiter nach Bushwick fahren, da leben derzeit die meisten Künstler. In Williamsburg leben jetzt junge Familien – wie auf dem Prenzlauer Berg in Berlin. Williamsburg ist das New Yorker Äquivalent dazu. Früher, als wir dort geprobt haben, war die Atmosphäre sehr frei. Das ist heute nicht mehr so. Aber für mich ist New York nach wie vor der unvergleichlichste Schmelztiegel der Welt.

www.myanimalhome.net

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