Siegburg
Einfach aus Langeweile, Lust und Lane: bestialisch gequält und getötet: In der Gemeinschaftszelle AE 1.04 im Haus 2 der Justizvollzugsanstalt Siegburg hatten ein Jugendlicher und zwei Heranwachsende am 11. November 2006 einen Mithäftling erst stundenlang gefoltert und dann durch Erhängen ums Leben gebracht. Das Verbrechen hatte bundesweit heftige kontroversen über die Zustände in deutschen Gefängnissen ausgelöst. Es klingt so verdammt nüchtern und juristisch: Fast zwölf Stunden lang haben seine Zellengenossen Hermann Heibach unmenschlich erniedrigt und gequält. „Aus Spaß“, wie Danny K. später zu Protokoll gab. Sie schlugen, traten und vergewaltigten ihn. Sie zwangen ihn, Salzwasser, Zahnpasta, Urin und sein eigenes Erbrochenes zu schlucken. Bis sein Lebensmut endgültig erloschen war. Und er auf ihre Frage, was er denn davon halte, wenn sie ihn jetzt "weghängen" würden, nur noch antwortete: "Wenn ihr mich dann in Ruhe lasst." Dann gewährten sie ihm eine letzte Zigarette und lasen ihm aus der Bibel vor. "Das macht man doch, wenn einer stirbt", gab Ralf A. bei der Vernehmung an…
Trash-Papst Dr. Uwe Boll („Seed“) hat daraus ein verstörendes, semidokumentarisches Filmdrama konstruiert, ausnahmsweise sehr gut von „Kritik“ und Publikum anerkennend akzeptiert. Mit Sicherheit keine Unterhaltung, mit Sicherheit ein Movie, das im Gedächtnis brennen bleiben wird. Und wer könnte besser einen Hauptpart in dieser harten Filmkost übernehmen als der herrlich kaputte Edward Furlong? Um allem noch überdies Authentizität zu verleihen, ließ Boll seine Jungmimen in den Dialogen improvisieren. Ein meisterliches wie erschütterndes Filmwerk über einen teuflischen Vorfall in einer sonst so lieblichen Lokalität namens Siegburg, im Bergischen, nahe Köln, gleich nebenan, mitten unter uns. Übrigens: Die „Konsequenz“ war: Der Leiter des Jugendstrafanstalt wurde nach der brutalen Ermordung eines Gefangenen durch seine Zellengenossen auf Veranlassung der nordrhein-westfälischen Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) abgelöst und durch einen "erfahrenen Beamten aus dem Justizvollzugsamt" ersetzt. Zuvor war schon publik geworden, dass Zellen in Jugendhaftanstalten ab sofort nur noch mit maximal zwei Gefangenen belegt werden dürfen.
Wieder einmal typisch: Das in kühler, grobkörniger Optik gehaltene Dokudrama wurde auch der FSK bereits zur Prüfung vorgelegt. In einer stark gekürzten Version. Die FSK listet den Titel mit dem Vermerk „gekürzte Fassung und einer Laufzeit von ca. 80 Minuten. Die Datenbank der BBFC gibt L 86:47 Minuten für die ungeschnittene Fassung an. Das bedeutet eine Beschneidung von ca. 7 Minuten für die FSK Freigabe. Auch zur Spio/JK (keine schwere Jugendgefährdung) liegen Details vor. Diese wird nur im Verleih veröffentlicht, im Verkauf erscheint nur die FSK geprüfte Version. KSM listet den Film mit einer Laufzeit von ca. 85 Minuten auf. Warum eigentlich Realität nicht drastisch bebildern? Es könnte ja ausnahmsweise anstatt zu animieren abschrecken.
Anbieter: New KSM

