Porno Unplugged
„Der Club der großen Dinger“, „Sperminator“, Aladin und die Wunderschlampe „ oder „Alice im Ständerland“, so heißen die aus dem Film entliehenen, bahnbrechenden Werke einer Pornoindustrie, die Milliarden in die Kassen spülen. Eine verächteter, aber dennoch heimlich geliebter und gebrauchter Wirtschaftszweig, der sich mit Zahlen brüsten darf, die einem den Atem verschlagen. Immerhin mehr als 80 Prozent aller Deutschen konsumieren Pornografie. „Porno Unplugged“ ist ein Trip in den sexuellen und obsessiven Hades, ein dokumentarischer Bilderreigen über das im wahrsten Sinne des Wortes harte Porno-Business. Fabian Burstein, wagte diesen Blick, von der Tschechei über Österreich bis hin ins grelle Las Vegas. Regisseur und Debütant Florian Burstein hat sich drei markante Beispiele für sein Road-Movie der bizarren und normalen Art ausgesucht. Blue ist ein Pornostar, der seine Karriere in Europa begann, nun aber im schönen Kalifornien produziert. Vom Supervögler zum Kameramann und Regisseur. Die Ex-Analqueen Renee Pornero fokussiert ebenso ihre Arbeit auf die Regie und Produktion von Hardcore, und Thomas Janisch ist der Boss des österreichischen Erotikkonzerns ÖKM. Es besteht ein weltweiter bedarf, und eine unermessliche Gier nach immer groteskeren Formen von Pornographie: Die Amerikaner geben für Pornografie mehr Geld aus als für Theater, Museen und andere Kultureinrichtungen zusammengenommen. Allein in den USA soll der Umsatz der Pornoindustrie über dem von Hollywood liegen. Einer US-Studie zufolge werden Porno-Seiten im Internet fast dreimal so häufig angeklickt wie die Seiten der großen Suchmaschinen. Die Pornographie wurde in Deutschland ab 1975 unter Straffreiheit gestellt. Aber selbst, oder gerade im prüden US-Amerika entstand Pornywood“, eine Paraphrase für das San Fernando Valley im Norden von Los Angeles, gilt seit den siebziger Jahren als Zentrum der amerikanischen Sexindustrie. Mehr als 10.000 Filme aller möglichen Spielarten von „Oral Ecstasy“ bis „Bondage“ werden von dort jedes Jahr in Wohn-, Schlaf- und Hotelzimmer auf der ganzen Welt geschickt und bescheren den dortigen Firmen runde zehn Milliarden Dollar Umsatz. 89% der Pornographie kommt aus den USA. $2.84 Milliarden an gewinnen wurden in den USA 2006 mit Erotik Seiten gemacht. $ 89/Sekunde wird für Erotik ausgegeben. 72% der Erotikseiten Besucher sind Männer und 260 Sex Seiten gehen täglich neu online. Aber gerade junge Menschen haben einen beispiellosen Zugriff auf wachsend sexistische und rassistische, wachsend aggressive und gewalttätige Pornografie, die gegenüber Frauen menschenverachtend sind. Ein kleiner Trost wäre Domina-Sex, der in Porno Unplugged nicht thematisiert wird. Der kann ausgleichende Gerechtigkeit schaffen. Frau peitscht eine hornbebrillte Managertype mit gezielten Rundschlägen auf den eingeölten Hintern mit der neunschwänzigen Katze aus, tritt mehrmals in denselbigen, nimmt den Kunden hart an die Hundeleine , zwingt ihn zerquetschte Bananen aus dem Napf zu fressen, und verpasst dem winselnden, sonst so biederen Familienvater einen Mega-Einlauf auf dem so genannten „Gynäkologenstuhl“. Und das alles zu einem lächerlichen Preis von 500 Euro stündlich. So gesehen ist der Job der Domina der coolste der Welt, wenn Frau das beruflich kann. Ethisch betrachtet, wäre das die Revanche für alle femininen Unterdrückungen dieser von „Männern“ dominierten Welt. Wie sagte Jean Paul Sarte: „Die Hölle sind wir“.
Anbieter: Filmnetwork

