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Nackt

Von: Jean Lüdeke

Mike Leighs Drama bebildert die leidliche ie Geschichte von Johnny (David Thewlis), der als abgebrannter junger Mann ohne Geld und Job eine Bleibe bei seiner Exfreundin Louise (Lesley Sharp) sucht. Um Louise zu verletzen, beginnt er eine Liaison mit Sophie (Katrin Cartlidge), die ebenfalls bei Louise haust. Doch weder Louise noch Sophie halten Johnny ab, in der Stadt umherzustreunen. Dort trifft er auf verschiedene Charaktere, mit denen er diskutiert und denen er seine Lebensweisheit aufzwingen will. Wie das Schicksal es will, erlebt Johnny zwar glückliche Momente, doch verfolgt ihn eher das Pech; er wird zusammengeschlagen und ständig abgewiesen. Das veranlasst Johnny, wieder zu Louise und Sophie zurückzukehren. Eingeschweißt in die Geschichte von Johnny, der arm ist und sich am sozialen Abgrund befindet, taucht in dem Film die Figur des reichen, karrierebesessenen, politisch unkorrekten Jeremy G. Smart auf, der keineswegs „smart“ ist; er gibt sich als Immobilienmakler aus und verlangt sexuelle Dienste von Sophie. Dieser extrem widerwärtige Charakter steht im Kontrast zu Johnny's Geschichte.

Einsamkeit im kollektiv, Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Unruhe und Egoismus, das alltägliche trübe Haifischbecken der Underdogs, markant inszeniert vom Autorenfilmer Mike Leigh, das sozial engagierte Aushängeschild des neuen Britischen Kinos. David Thewlis als Johnny erhielt für seine schauspielerische Leistung die goldene Palme in Cannes. Was aber ist und will das New British Cinema eigentlich? Der Fokus liegt auf Qualität und dem minutiösen Antagonismus vom Ensemble zum Regisseur. Der Inhalt ist das Essentielle: Komplexe soziale, vor allem freudlose und aussichtslose Beziehungen mindestens ebenso wichtig wie Einzelschicksale; Dialoge und präzise Charakterstudien sind hier wesentlich vordergründiger als Effekte und Tempo. Also denkbar ungeeignet für Asia- und US-Actionfilmfans. Das französische  Mis-en-Scène und Visualität sind strukturiert als eine homogene und dramaturgisch klug aufgebaute Erzählung. Zumeist gibt es eine literarische Vorlage, hinzu gesellt sich die enge Anlehnung ans Original, an Abbildtreue, wie beispielsweise in Stephen Frears „gefährliche Liebschaften“, der jedoch nicht das Dokumentarische exponiert. Die exorbitante Detailtreue in puncto Setting, Style und Dekor wird dieser wichtigen Filmströmung auch negativ ausgelegt, es sei keine Spielfilm-, sondern eher eine Dokumentationsmachart, daher zu langweilig und langatmig. Ist aber ein Irrglauben, wenn man sich nur die atmosphärische Dramaturgie in „Mein wunderbarer Waschsalon“ oder „The Snapper“ anschaut.  Von Peter Greenaways genial arrangierten,  kunstvollen und bildgewaltigen Sex- and Crime - Balladen einmal gänzlich abgesehen. Irgendwie ein wenig Aki Kaurismäki auf allzu britische Manier, denn weniger ist manchmal viel mehr.


Anbieter: Arthaus

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