Last Stop 174
Fast alle Straßenkinder stammen aus den Elendsvierteln, den sogenannten Favelas. Die explosive Mischung aus extremer Armut, Hunger, Gewalt und Verzweiflung zwingt die Kids immer wieder, ihr erbärmliches Elternhaus zu verlassen und ein Leben auf der Straße zu versuchen. Dabei ist der eg in die Kriminalität vorprogrammiert, denn ein Straßenkind besitzt nichts - und ist auch Nichts. Etwa 8.000 Straßenkinder leben in der 18-Millionen-Einwohner-Mega-Metropole Sao Paulo. Das Schnüffeln von Klebstoffen, das Crack-Rauchen, Raub, Mord und Prostitution gehören zum alltäglichen Wahnsinn. Und um diesen Wahnsinn geht es in dem charismatischen und authentischen Drama, das auf einer wahren Begebenheit basiert. Nichts ist grausamer und packender als die Realität:
Schon als kleiner Junge muss Sandro miterleben, wie seine Mutter bei einem Überfall von Banditen ermordet wird. In der Folgezeit schließt er sich einer Gang von Straßenkindern an, übernachtet in Passagen, badet in Brunnen, mopst sich sein Essen, muß sich aber besonders vor der berühmt-berüchtigten „Todesschwadron“ der mafiösen Geschäftsleute hüten. Er freundet er sich mit Ale an, dessen Weg den seinen schon öfters schicksalhaft kreuzte, und lernt eine brave Bürgerin kennen, die fest überzeugt ist, sie sei seine Mutter. An einem Tag, der nicht der seine ist, nimmt er dann den falschen Bus. Und das hat fatale Folgen…
Ein hammerhartes- Filmdrama, nach der wahren Begebenheit einer Bus-Entführung und Geiselnahme.
Am 12. Juni 2000 wurde ein Bus der Linie 174 in Rio de Janeiro am hellichten Tag von dem halbwüchsigen Sandro do Nascimento gekapert. Die Hintergründe zu diesem in brachialer Gewalt endenden Geiseldrama illuminierte der brasilianische Regisseur José Padilha 2002 in seiner berührenden Milieustudie onibus 174“. Drehbuchautor Braulio Mantovani, seines Zeichens für City of God verantwortlich, entwickelte aus dem Stoff mit authentischen Bezügen einen ergreifenden Spielfilm. Damit war Regisseur Bruno Baretto (Bossa Nova)) der den brasilianischen Oscar-Beitrag in der Kategorie "Bester ausländischer Film" gewann. Straßenkinder sind in allen großen Städten Brasiliens zu sehen. Sie schlagen sich mit kleinen Hilfsarbeiten wie Schuhputzen, Autowaschen oder Bettelei durchs Leben. Die meisten kommen aus armen und kinderreichen Familien. Oft sind zu Hause Gewalt und Missbrauch an der Tagesordnung. Doch auch auf der Straße droht Gefahr: Immer wieder werden brutale Morde an Straßenkindern bekannt. Greift die Polizei Straßenkinder auf, müssen sie mit einer Zwangseinweisung ins Heim oder ins Gefängnis rechnen. Unglaublich, aber wahr: Über die Hälfte der weltweit geschätzten 100 Millionen Straßenkinder leben in Südamerika, vornehmlich im maliziösen Moloch der Mega-Metropolen.
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