Ladybird
Ken Loach, archaisches Flaggschiff des sogenannten „New British Cinema“ betonte immer wieder, dass es sich bei seinem Sozialdrama um "eine wahre Geschichte" handele.. Einer Mutter werden sechs Kinder vom Jugendamt entzogen; erst ihr siebtes, achtes und neuntes Kind dürfen sie und ihr derzeitiger Lebensgefährte Partner behalten. Loach fokussiert hier weniger Ursachenanalyse, sondern vielmehr Kritik am britischen Sozial- und Gesellschaftssystem an einem allegorischen Einzelschicksal: Maggie ist stolze Mutter vierer Zöglinge, allerdings von unterschiedlichen Typen. Mit diesen rohen Kerlen lebt sie längst nicht mehr zusammen, und wegen ihrer aufbrausenden und aggressiven Art sorgt sich das Jugendamt schnell um das Wohlergehen der Kleinen. Doch dann lernt Maggie Jorge kennen und wird schwanger. Doch bereits im Krankenhaus warten die Mitarbeiter der Fürsorge, um ihr das neugeborene wegzunehmen. Berührend, bedrückend, beeindruckend, dieses Parabel, die gerade in der neuerlichen Wirtschaftskrise wieder tragische Brisanz gewinnt, das Abdriften in Armut und Asozialität, das immer frappierende Verschwinden der Mittelschicht, sowie der Verlust von Bildung, Fürsorge und Verantwortung. So war in Großbritannien ist Mitte der 80er Jahre der Sozialabbau unter der "Eisernen Lady" Maggie Thatcher in vollem Gange. Das englische Kino reagiert mit ätzendem Humor und böser Sozialkritik, wie beispielsweise Stephen Frears mit „Mein wunderbarer Waschsalon“.
Keine Frage, von Anbeginn profilierte sich das britische Kino durch einen eigentümlich-nüchternen Stil aus, einer Synthese aus Tragik und Komik. Nachdem auch ihre englische Filmindustrie in den 1970er Jahren in eine schwere Krise gerieten, half ihr eine für Europa vorbildliche staatliche Förderung in Verbindung mit dem Engagement der BBC wieder auf die Füße. Ohne US-amerikanischen Investoren war das britische Fernsehen der einzige Arbeitgeber für die Regisseure. Von der Rezession erholte sich die britische Filmszene kurzzeitig Anfang der 1980er Jahre, als neue britische Produktionsfirmen für Überraschungserfolge sorgten. Einzig die unabhängige Filmszene mit Künstlern wie Peter Greenaway, Derek Jarman oder Sally Potter sorgte für Furore in diesem schwierigsten Jahrzehnt des britischen Films. Mitte der 1990er Jahre wurde durch den Erfolg von Vier Hochzeiten und ein Todesfall die britische Filmindustrie kurzzeitig revitalisiert. Nach dem Ende der Thatcher-Ära entwickelte sich zwar eine öffentliche Förderung junger Filmemacher, diese führte aber nur zu vereinzelte Highlights wie gefährliche Liebschaften oder Bube, Dame, König. Gleichabhängig,, dass ihm viele kaum noch Chancen einräumen..
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