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Kategorie C

Von: Jean Lüdeke

Spannender als ein Krimi, dieses leidliche Thema, nicht mehr Brot und Spiele sondern Kloppe und Klassenerhalt im ewigen Zwist um den runden, ledernen Stein des Anstoßes: Die deutsche Polizei unterteilt Fußballfans in drei Gruppen: Kategorie A meint „normale Fußballfans“; Kategorie B „gewaltbereite“ und Kategorie C „Gewalt suchende“ Fußballfans. Seit einigen Jahren hat sich nach italienischem Vorbild in der deutschen Fußballfanszene eine vierte Gruppierung heraus gebildet: die Ultras, deren Altersdurchschnitt bei zwanzig Jahren liegt.

Die schlagkräftige Rivalität zwischen den Fans des FC Sachsen und denen von Lok Leipzig gilt traditionell als die härteste in deutschen Fußball-Landen, Hass und Gewalt erreichen hier erschreckende Ausmaße.  Franziska Tenner, die sich mit ihrem letzten Film in das ominöse Universum der Neonazi-Szene in Frankfurt/Oder begeben hatte, erforscht die „Kategorie C“: Im polizeilichen Terminus jene Fans, die Gewalt gezielt suchen und freudig ausüben. Im Umfeld des Fußballs existiert seit langem eine Fankultur, die hauptsächlich durch massive Gewaltbereitschaft und -Anwendung Schlagzeilen macht. Die Öffentlichkeit hat sich insgesamt darauf festgelegt, es dabei zu belassen. Diese jungen Menschen scheinen abgeschrieben. Welche Ethik Moral und Lebenshaltung vertreten sie welche Rolle spielt die enorme Gewaltbereitschaft? Und welchen Reiz stellt die gruppendynamische Auseinandersetzung für diese Männer dar? Durch die Fußball-WM 2006 hat sich die Situation der Fans, auch in Leipzig, verhärtet. Sie waren teilweise von diesem „Fest der Freunde“ ausgeschlossen, weil sie – aus unterschiedlichen Gründen - bei der Polizei registriert sind. Wie reagieren sie auf diese Ausgrenzung?

Die Hooligans tragen ihre Kämpfe abseits von Spielen und Stadien auf Wiesen oder Äckern aus, um in gleicher Mannschaftsstärke im körperlichen Kampf den Besten zu ermitteln. Die Ultras hingegen bringen die Kämpfe wieder in die Stadien zurück. Zunächst kämpfen sie dort friedlich um die besten Gesänge („Support“) und die besten Choreografien („Choreos“). Das sind comicartig gestaltete Leinwände, die zu Beginn der Spiele in den Fanblöcken entrollt werden, untermalt mit Pyrotechnik. Dann aber, in der „Dritten Halbzeit“, wird in oder nahe der Stadien versucht, durch gewaltsame Auseinandersetzungen die bessere Ultra-Fangruppe zu ermitteln. Während bei Hooligans die gewalttätige Auseinandersetzung mit anderen Gruppen im Vordergrund steht und Fußballspiele nur einen Anlass dazu bieten, steht bei Ultràs der Sport im Vordergrund; allerdings sind bei vielen Ultra- Gruppen Schlägereien und Krawalle ein akzeptiertes Mittel der Durchsetzung von Faninteressen und der Auseinandersetzung mit gegnerischen Fans. Nach einer anderen Theorie geht die Bezeichnung auf den „wilden“ Iren Patrick Hooligan zurück.


Anbieter: Epix Media

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