Im Auftrag des Terrors
Er ist der wohl berüchtigtste Rechtsanwalt der Welt: Jacques Vergès. Seit den 70er Jahren spezialisierte sich der Franzose auf die Verteidigung prominenter und in der Regel äußerst umstrittener Persönlichkeiten. Von sich selbst sagt er, eines seiner wichtigsten Prinzipien wäre, keine Prinzipien zu haben. Egal, ob Diktatoren, Kriegsverbrecher oder Terroristen, dieser Vergès ist jener Jurist für alle noch so scheußlichen Fälle, der ihre Verteidigung übernimmt. Eine harte Dokukost, die Aufmerksamkeit und politische Kenntnisse verlangt: Ausnahmefilmer Barbet Schroeder ("Barfly") taucht in seiner mehrfach prämierten Dokumentation in die dunkelsten Abschnitte der Historie ein, um den Geheimnissen dieses umstrittenen Anwalts auf die Spur zu kommen, einem Mann, der Gestapo-Offizier und Massenmörder Klaus Barbie vertrat, der mit hochrangigen Roten Khmer bekannt war und Slobodan Milosevic vor dem UN-Kriegsverbrecher-Tribunal verteidigte, der sich aber auch aus bisher ungeklärten für acht Jahre in Luft auflöste.
Die Dokumentation kommt markant und provokant daher: Sie lässt den Winkeladvokaten frei deklamieren. Er wird weder unterbrochen, noch in Frage gestellt. Das macht es umso spannender, aber auch umso verwerflicher. Jacques Vergès ist in Sachen Selbstdarstellung ein maliziöser Maestro, eloquent, sicher und souverän. Ein kontroverser Film, der betroffen und bedrückend macht, falls man sich auf eine derartige, gern kompensierte Thematik einlassen mag. Fazit. Spannender als ein Krimi. „Im Auftrag des Terrors" entstand 2007 unter der Regie des französischen Filmemachers Barbet Schroeder. Die Dokumentation beschäftigt sich mit dem kontrovers diskutierten Leben des Anwaltes. Zur Erinnerung: Nikolaus „Klaus“ Barbie alias Klaus Altmann (52.10 bis 25.09. 1991) war ein 1947 und 1987 verurteilter NS-Kriegsverbrecher und bekannt als „Schlächter von Lyon“. 1942, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in das bis dahin von der Vichy-Regierung verwaltete, unbesetzte Südfrankreich, übernahm er als Chef der Gestapo in Lyon die Leitung der IV. Sektion der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes. Hier ging Barbie mit brachialer Bestialität vor: Er hatte die Suite 68 im zweiten Stock des Lyoner Hotels Terminus gemietet und hielt dort „Orgien unsäglich scheußlicher Gemeinheiten“ ( Barbie folterte katholische Pfarrer mit Elektroschocks, hängte sie an den Füßen auf, ließ Kinder hungern und prügelte sie; nackte Frauen wurden bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt und missbraucht, indem man sie zum sexuellen Verkehr mit Hunden zwang. Barbie war ebenso für die Folterung und Ermordung von Mitgliedern der Résistance verantwortlich. Ihm wurden etliche Verbrechen zur Last gelegt, die Deportation der Kinder von Izieu, Erschießungen im Gefängnis Fort Montluc. Selbst hartgesottene Prozessbeobachter brachen in Lyon reihenweise in Tränen aus, angesichts der verlesenen Protokolle, wie „Radio France einstens berichtete.
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