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Hass

Von: Jean Lüdeke

La Haine

Ein bedrückender und gleichsam beeindruckendes Jugenddrama, das mit folgenden Worten beginnt: Dies ist die Geschichte von einem Mann, der aus dem 50. Stock von einem Hochhaus fällt. Und während er fällt, wiederholt er, um sich zu beruhigen, immer wieder: ‚Bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut…‘. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung!“: Der Film wurde in Anlehnung an ein reales Ereignis gedreht. 1995 wurde während eines Verhörs auf einem Polizeirevier in einer der Banlieues ein sechzehnjähriger Zairer namens Makomé Bowole von einem Polizisten durch einen Schuss in die Schläfe getötet. Bowole war zu diesem Zeitpunkt mit Handschellen an einen Heizkörper gefesselt. Die Ausschnitte am Anfang des Filmes sind echte Videos der Krawalle, die sich daraufhin ereigneten…

In desolaten schwarz-weißen Bildern fokussiert das Dokudrama  weinen tag im Leben, oder wenigstens das, was man so bezeichnen könnte, von Vinz (Vincent Cassel), Saïd (Saïd Taghmaoui) und Hubert (Hubert Koundé), drei perspektivlosen Freunden aus Einwandererfamilien der Banlieue. Nachdem ihr Bekannter Abdel in den nächtlichen Kämpfen zwischen randalierenden Jugendlichen von der Polizei lebensbedrohlich verletzt wurde, brodelt der Hass in ihnen. Die drei Freunde ziehen orientierungslos durch ihre monolithische Betonwüste. Dabei treffen sie Freunde, geraten immer wieder mit guten und schlechten Polizisten in Konflikt, aber die meiste Zeit warten sie sprichwörtlich auf Godot. Jeder der drei Hauptprotagonisten stammt aus einer der drei brisanten  Randgruppen im heurigen Frankreich. Vinz ist jüdischer Abstammung und das Pulverfass der Gruppe. Er würde auch nicht vor dem Gebrauch einer gefundenen Schusswaffe zurückschrecken, um den Tod von Abdel zu rächen….

Sozialpolitischer Hintergrund: Frankreich, am 26.November 2007, in Villiers-le-Bel (einer rund 30 000  Einwohner zählenden Trabanten-Stadt im Norden von Paris) zu schweren Ausschreitungen aufgebrachter Jugendlicher, die teilweise auf Nachbargemeinden übergriffen und von den sog. Ordnungshütern erst nach sechs Stunden unter Kontrolle gebracht werden konnten. Europaweit und global gesehen ein massives Problem: Auch außerhalb Frankreichs. nimmt der Umfang der an den Rand gedrängten Bevölkerung, die keine Verbindung mehr zum Rest der Gesellschaft findet, zu. Die Folgen sind bekannt. Nicht umsonst gilt La Haine gilt als Meilenstein des französischen Kinos der Neuziger jahre und gewann unter anderem beim Canner Filmfestival die Auszeichnung für den besten Regisseur, den César für den besten Film und den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Young European Film of The Year.


Anbieter: Kinowelt

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