Die Reise der Pinguine
Ein wirklich erwärmende Doku über ein eiskaltes Sujet: Unter extrem harten Drehbedingungen von bis zu minus 40 Grad Celsius hat Luc Jacquet ein bewegendes Filmereignis voller Wärme und Poesie geschaffen, das Einblicke in eine spektakuläre, unbekannte Welt gewährt. Mit über 1,4 Millionen begeisterten Zuschauern avancierte "Die Reise der Pinguine" zum erfolgreichsten Dokumentarfilm der deutschen Kinogeschichte und erhielt obendrein den Regie-Oscar: Eigentlich hätten den die Protagonisten verdient gehabt, doch erwiese sich dies als doch etwas kompliziertes Unterfangen bezüglich der Massen-Ehrung, des nicht stark genug klimatisierten Übergabeortes sowie den Sprachverständigungen während der Laudatio.
Eigentlich besitzen Dokumentationen beim Kinopublikum ein schweres Standing und bleiben in TV-Domänen gefangen. Aber richtige Mammut-Produktionen erreichen eine hohe Trefferquote wie „Deep Blue“ „Lüfte oder „Mikrokosmos“ .im deutschen Kino. In diese Reihe von Erfolgen fügt sich Luc Jacquets Wander-Arie ungewöhnlich nahtlos ein: Die Dokumentation über das im Grunde doch recht eintönige Leben und Leiden der Kaiserpinguine eroberte amerikanische Tierherzen im Sturm und platzierte sich schnell in die Top 10 der Kino-Charts:
Im Frühjahr beginnt in der lebensfeindlichsten, antarktischen Gegenwelt der alljährliche Parforcegang der Kaiserpinguine. In Scharen verlassen sie den schützenden Ozean und pilgern in Karawanen auf zu ihren Brutplätzen. Wie die putzigen Watschler trotz der sich ständig ändernden Umgebung immer einen neuen Weg durch diese Schrecken des Eises und der Finsternis finden, bleibt bis heute ein Rätsel: Denn kurioserweise erreichen die einzelnen Gruppen nach einem wochenlangen Marsch nahezu synchron das gemeinsame Ziel. Nun folgt sie bis Mai endlos dauernde Paarungszeit mit ausschließlich geschmolzenem Schnee als „Nahrung“. Danach legt das Weibchen ein einziges Ei, und die lebensbedrohlichen Prüfungen stehen erst noch bevor…
Für das Film-Team waren die eisigen Dreharbeiten alles andere als ein entspannender Trip, zumal Regisseur Luc Jacquet und sein Team das verfrorene, spartanische Dasein der Kaiserpinguine im desolaten Eis- lange 14 Monate. 24 stunden täglich beobachteten und filmten. Das Resultat: Eine beherzte Dokumentation, die eine gute und lehrreiche Geschichte zu erzählen vermag, ohne auch nur eine Minute Langeweile aufkommen zu lassen. Und diese Geschichte erzählen die Pinguine mitunter selbst; via plakativer Bilder und diverser Erzähler (in).
Das klingt bisweilen zwar sehr albern und infantil, aber was soll’s: das Gesehene ist großes Glück genug. Und die reise der Pinguine ist längst in die Walhalla der großen Dokumentationen aufgestiegen.
Anbieter: Kinowelt
