Bullet Auge um Auge
Über jeden Zweifel erhaben ist dieses kleine filmische Juwel im typisch braunerdigen Style der experimentierfreudigen Film -Neunziger. Und dies mit einem Mickey Rourke in Bestform. Abel Ferrara („King Of New York“) hätte hier Pate stehen können, bei dieser realistischen Darstellung von Gewalt und dem Kampf ums Überleben im Drogenmilieu. Butch "Bullet" Stein wird nach acht langen Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Ein Neuanfang ist nicht in Sicht: Bullet, ehemals große Baseball-Hoffnung, ist den Drogen und der Gewalt verfallen. Kaum draußen, zieht er wieder mit Bruder Ruby und Freund Lester durch sein ehemaliges Revier. Doch hier herrscht nun Tank, der eine alte Rechnung zu begleichen hat. Und auch Bullets älterer Bruder, ein schizophrener und völlig unberechenbarer Vietnam-Veteran, mischt sich unliebsam ein.
Kaum aus dem Knast entlassen, setzt sich Bullet (Mickey Rourke) nach achtjährigem Zwangsaufenthalt wieder den ersten Schuss. Gemeinsam mit seinem Bruder Ruby (kongenial: Adrien Brody) und seinem Kumpel Lester, werden Einbrüche begangen, Partys gefeiert, Drogen genommen und Straßenkämpfe ausgefochten. Da Bullet und Ruby, beide zwischen dreißig und vierzig, noch zuhause wohnen, dürfen sie sich regelmäßig von ihren Eltern anhören, wie enttäuscht diese von ihnen sind. Und dann wäre da noch der dritte Bruder im Bunde: der grenzdebile Louis (Ted Levine), der den ganzen Tag in schmieriger Unterwäsche in seinem Zimmer hockt, um sich an Reportagen über den Vietnam-Krieg zu ergötzen. Alles am Ende, am Ende alles? Mitnichten, so traurig wie diese Milieuballade anfängt, so tragisch wird sie enden…
Der ewige zweite, dabei gehört Ted Levine zu den markantesten US-amerikanischen Schauspielern: Als Frank Theodore Levine am 29.05.1957 in Bellaire (Ohio) geboren, besuchte das Marlboro College in Marlboro, Vermont wechselte. An der Universität von Chicago erwarb Levine schließlich seinen M.F.A. (Master of Fine Arts) und machte sich in den 80ern am dortigen Steppenwolf-Theater bereits früh einen Namen, bevor er für den Film entdeckt wurde. Nach diversen kleineren Rollen kam schließlich sein Durchbruch in Jonathan Demmes Kult- Thriller "Das Schweigen der Lämmer", wo er den Serienkiller "Buffalo Bill" gab. Dennoch, Levine wollte nicht auf die Rolle eines Psychopathen festgelegt werden und spielte in der Folgezeit weniger abgründige Charaktere: Militärs, Polizisten oder Familienväter. 1998 trat er zusammen mit Patrick Stewart in der zweiteiligen Fernsehadaption von Melvilles Moby Dick auf.
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