Bonjour Sagan
Schon im weltweiten Erfolg ihres Erstlingsromans Bonjour Tristesse revitalisiert Françoise Sagan, alias Françoise Quoirez, (1935-2004) dem gaullistischen Frankreich der 50iger Jahre den schlüpfrigen Gossen-Glamour.
Im schnittigen Maserati zum schriftstellerischen Anarchismus:
Schon im weltweiten Erfolg ihres Erstlingsromans Bonjour Tristesse revitalisiert Françoise Sagan, alias Françoise Quoirez, (1935-2004) dem gaullistischen Frankreich der 50iger Jahre den schlüpfrigen Gossen-Glamour. Sagans - das Pseudonym des Herzog von Sagan, eine proustsche Romanfigur –eigenwillige, egozentrische und exzessive Romanfigur Cécile ist die Allegorie ihrer selbst. Frankreich war geschockt und gerührt. Der literarische Gruß an die Traurigkeit, in der Studienzeit an der Sorbonne mit 18 Jahren in 7 Wochen getippt, 1954 veröffentlicht, fokussierte eine 17jährige Lolita, die in den mediterranen Sommerferien zwei Geliebte ihres Vaters aus dessen Leben scheucht. Freizügig, aber der Prix de la Critique gehörte Sagan, binnen fünf Jahren waren vier Millionen Tristesses verkauft.
Hinreißend zerrissen wird auch Aufstieg und Fall des Emotions-Molochs Sagan bebildert. Im Biopic, das sich zwischen Dramenkomödie und Doku verirrt, hat Regisseurin Diane Kurys, die ambivalent aufspielende Sylvie Testud (La Vie en Rose) gewählt. Genial, wie das blonde Persönchen agiert, als würde der Teufel sie zum Aktionismus und zur Apathie gleichzeitig treiben. Ein stetiger Sprech- und Sprach-Vukan, bisweilen still schlummernd. Brach er eruptiv aus, zündelte er gewaltig. So gestand sie ihr tägliches, illegales Näschenpudern; zwei Bewährungsstrafen und Geldbußen, auch wegen Steuerhinterziehung im Aquitaine-Skandal, verriegelten ihr nicht die Lebenswut: "Ich habe immer eine große Lebenslust und habe immer Lust zu schreiben. Das Glück wollte es, dass mir beides gelungen ist", gestand sie 1998. Aber Geld und Gatten verbrauchte sie wie Tempos. Jean Genet wäre der Traumpartner für den Lebensabend im heimeligen Honfleur gewesen. Aber der liebte bekanntlich Jungs….

