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96 Hours The Taken

Von: Jean Lüdeke

Ein Papa sieht puterrot: Liam Neeson als rachsüchtige und kompromisslose Abbruchbirne gegen osteuropäische Mädchenhändler in einem geradlinigen, packenden und nachdenklich stimmenden Actioner der Güte-Klasse A: Mit der desaströsen Gewalt eines terroristischen Tsunamis und bis dato seltenen im Film zu sehenden kühl-klinischen Zynismus ballert, foltert, rächt und rettet sich der Parade-Mime durch die  perfide Unterwelt an der schönen Seine sich  schießt, prügelt und foltert sich Neeson durch die organisierte Unterwelt  vor den chick fotografierten Kulissen der sonst so heimeligen Seine-Metropole. Warum? Der Ex-CIA-Agent und allein stehender Security-Spezialist Bryan Mills (Liam Neeson) leidet unter der Trennung von Leonore (Famke Janssen), die ihm jeden Kontakt mit der gemeinsamen Tochter Kim (Maggie Grace) nicht gerade harmonisch gestaltet. Überdies ist der Neue an ihrer Seite, Stuart (Xander Berkeley) ziemlich begütert, so dass Bryans Geburtstagspräsente, eine Stereoanlage gegen das Pferd sehr blaß aussieht. Kim plant in ihrer infantilen Naivität mit ihrer besten Freundin Amanda (Katie Cassidy) einen Trip nach Paris. Die Warnungen ihres Vaters, keinen Fremden zu trauen und dunkle Viertel zu meiden, nimmt sie erwartungsgemäß nicht allzu  ernst. Ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellen soll.
Schon der nette junge Franzose am Flughafen, der den beiden Mädchen die Adresse zwecks einer abendlichen Partyeinladung entlockt,  entpuppt sich als skrupelloser Mädchenvermittler und lässt die beiden euphorischen US-Teenager kurz nach der Ankunft im temporären Edel-Domizil entführen, um sie als heißbegehrte, minderjährige Prostituierte mit allen schrecklichen und menschenunwürdigen Abarten zu „verkaufen“. Die perfide Palette der obskuren Begierden reicht vom dreckigen, umfunktionierten Container-Bordell für tätowierte Tiefbauarbeiter bis hin zum exklusiven Edelgeheim-Zirkel höchst begüterter Pädophilie-Aspiranten aus aller Welt, die rattenscharf auf virginale Edel-„Objekte“ sind. Das macht in der Tat zornig, ist und bleibt ist schlichtweg unverzeihlich ekelhaft und auf niederstem Niveau menschenverachtend, zumal die Teenies willenlos auf Heroin gesetzt werden. Und so nimmt der Top-Agent Mills das Recht, wie einstens Charles Bronson in „Ein Mann sieht rot“ in die eigene Hand und setzt sich den Menschenhändlern auf die Fersen: Keine Frage, ein meisterlich und respektabel inszeniertes Revenge-Movie mit der konnotativen Aufforderung zur Selbstjustiz, die zwar verständlich erscheint, jedoch nicht nachgeahmt werden sollte und dürfte. Mit am Drehbuch tippte in diesem enervierenden Werk kein Geringerer als Luc Besson („Nikita“, „Leon- der Profi“) mit seiner Affinität zur stilisierten Gewalt und agonialen, nihilistischen Filmphilosophie. Und das ist auch in jedem Bild zu spüren. Die Gefahr von Vorurteilen indes bleibt: Denn nicht alle Osteuropäer sind schlecht und handeln mit Mädchen. Wer aber absolut gesetzestreu,  politisch korrekt und völkerversöhnlich denkt, sitzt allerdings hier vor dem falschen Bildschirm.

Anbieter: 20th Century Fox Home Entertainment

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