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Tangerine

Von: Jean Lüdeke

Tangerine

Die Marokkanerin Amira (Sabrina Ouazani) wird von ihrer Familie gnadenlos verstoßen. Doch sie findet sich mit diesem Schicksal nicht ab, im Gegenteil. Anstatt sich  in die leidvolle Zwangsehe zu ergeben, als servile  Partnerin und Dienstmädchen zu verleugnen, geht sie ihrem Traum nach. Und das ist eine Tänzerin zu werden. Eine bescheidene Unterkunft findet sie temporär In einer munteren WG, die nur von Damen betrieben wird. Die gehen dem ältesten Gewerbe der Welt nach und schlagen sich als Bordsteinschwalben durch, immer in der Hoffnung, eines Tages doch den begüterten Galan zu finden. Dabei wäre ein europäischer Tourist die erste Wahl, um endlich den archaischen Normen und Gesetzen ihres Landes den Rücken kehren zu können. Der unerfüllte Traum dabei, dass der sich verliebt, der noch stärkere Traum, dass sie sich in jenen verliebt….

Ein sehr engagiertes, oftmals aus der Hand gefilmtes Gesellschaftsbild, nämlich die Schicksale von unterdrückten Frauen intensiv bebildert und abermals ein breitgefächertes Porträt der immer noch gebeutelten Frauen in besagten Ländern exponiert. Besonders unter dem Einfluß des islamischen Schismatas. Dort heißt eine Grundregel wie folgt: Die Frau hat dafür gegenüber ihren Mann und der Familie pflichten wahrzunehmen. In erster Linie soll sie den Haushalt führen und die Kinder großziehen. Der Mann ist natürlich aufgerufen, auf Grund des Vorbildes vom Propheten Muhammed, seiner Frau im Haushalt zu helfen. Wenn es die familiärere Situation zuläßt, kann die Frau auch Arbeiten gehen. Wenn die Frau arbeiten geht, darf es nur ihr ausdrücklicher Wunsch sein, der sie zur Arbeit veranlaßt. Bei der Berufswahl hat der Mann natürlich ein Mitspracherecht. Es können nur solche Berufe sein, wo der Ehemann auch sicher sein kann, das seine Frau nicht am Arbeitsplatz belästigt wird….“

Regisseurin Irene von Alberti packt mit diesem Thema ein nie zu klärendes heißes Eisen an, obendrein noch potenziert durch die Prostitutions-Thematik. Ob der große Retter aus dem westen das Allheilmittel ist, sei dahin gestellt. Man kennt zur Genüge Ursachen und Wirkung von Prostitutions-Tourismus in Asien und Afrika, und man kennt bis zum Erbrechen den Frauenhandel  aus den osteuropäischen Staaten. Eine für die Frauen selbst faire Lösung kann es daher nie geben. Und das ist ja gerade das Tragische. Diskriminierung von Frauen ist desolate Fakt,, aber sie kommt sicherlich nicht nur in islamischen Ländern vor. Entsprechend der marokkanischen Verfassung hat die marokkanische Frau dieselben politischen Rechte wie der Mann, aber die Tradition fordert, dass sie eher diskret im Hintergrund bleibt. Parallel dazu wird die marokkanische Frau in der Rolle der Mutter zur Hüterin der Traditionen. Sie erhält das Leben aufrecht, zementiert Identität und hält Traditionen aufrecht. Sie bleibt jedoch in dieser patriarchalischen Gesellschaft auf dem zweiten Rang hinter dem Vater oder dem Ehemann...

Anbieter: Filmgalerie 451 

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