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Die Asia-Pazifische Platte

Von: Hans-Jürgen Ploenes, Foto: Valery Kloubert

Musikalische Leckereien aus Fernost

Die Asia-Pazifische Platte

Goodnight Electric

Malek López aka Rubber Inc.

Xhin

Tri-Minh und DJ Kruze

Wenn man zum ersten Mal die Bezeichnung Asia-Pazifische Platte hört, denkt man unweigerlich an ein Gericht in einem fernöstlichen Restaurant, bzw. auch an dampfende Garküchen in den Straßen Singapurs, Hanois oder auch Kuala Lumpurs. Allerdings befindet sich in diesem Falle doch etwas vollständig anderes im Topf, nicht essbar, aber doch überaus genießbar.

Hinter dem Namen verbirgt sich ein aufwändiges musikalisches Projekt, initiiert vom Goethe Institut in Djakarta und der Zentrale in München. Dort hatte man vor zwei Jahren die Idee, die Strömungen und die Vielfalt der elektronischen Musik im sogenannten südostasiatischen Raum auf einer Webseite festzuhalten. Diese Seite sollte erstmalig eine Bestandsaufnahme über das riesige Territorium – das von Thailand über Vietnam, bis nach Neuseeland und Australien reicht –  und der dortigen elektronischen Musikszene darstellen.

Dazu wurde niemand anderes als der DJ und Autor Hans Nieswandt hinzugezogen, der bereits die ungewöhnlichsten Orte mit seinem Plattenkoffer bereiste, wie z.B. den Gazastreifen und Palästina. So knüpfte er 2006 erste Verbindungen von Deutschland aus, und bereiste dann die verschiedenen Länder, in denen er sich mit den Künstlern traf und Workshops abhielt. Ein Ergebnis dieser ersten Reisen war die Entstehung der Webseite „Electronic Music in Southeast Asia, Australia & New Zealand“ (http://www.goethe.de/ins/id/lp/prj/sos/enindex.htm).

Dabei sollte es aber nicht bleiben, und so vereinbarte man nach einem ersten Besuch einiger asiatischer Musiker in Deutschland kreative Treffen deutscher Künstler mit den dortigen Kollegen in ihren jeweiligen Städten. Neben den Gebrüdern Teichmann und ihrem aufwendig analogen Set, reisten in den folgenden Monaten unter anderem auch noch Turner, Mathias Schaffhäuser, Losoul und Matthias Tanzmann in die Region. Daraus entstanden Produktionen unter unterschiedlichsten Bedingungen – irgendwo in Bangkok, Hanoi, Kuala Lumpur, Jakarta und Manila, um nur einige Plätze zu nennen.

Die Ergebnisse konnte man außer auf einer gelungenen CD-Compilation auch bei gemeinsamen Auftritten während der diesjährigen fünften Ausgabe des c/o pop Festivals in Köln bewundern.

Eine der ungewöhnlichsten, aber dabei auch visuell ansprechendsten Formationen sind Goodnight Electric mit ihren umtriebigen Frontmann Henry Foundation aus Jakarta. „Eigentlich stammen wir aus der Kunstszene, haben uns aber immer mit Musik beschäftigt“, erklärt Henry in seiner knallroten Adidas Trainingsjacke und einer sehr auffälligen Brille – überhaupt entpuppten sich GE bei unserem Shooting als die wahren Könige des Posings.

„Man kennt uns sicherlich in Jakarta, aber das Problem der Künstler in unserer Region – und da spreche ich sicherlich auch für meine Kollegen – ist die starke Konkurrenz aus Europa, speziell aus England“, sagt uns Henry und fügt hinzu: „Die kassieren unglaubliche Gagen und verhindern teilweise, dass nationale Musiker eine wirkliche Chance erhalten.“

Ähnliches bestätigt uns auch der stämmige philippinische Musiker Malek López aka Rubber Inc., der als Produzent in Manila schon als Legende gilt. Malek ist auch Mitglied der funky TripHop Formation Drip www.myspace.com/dripmanila. Auch er betont, dass, um überleben zu können, man sich auch in anderen musikalischen Bereichen bewegen muss: „Ich arbeite u.a. auch als Sounddesigner für Film und Fernsehen.“

Auch Xhin aus Singapur bewegt sich in der bunten Welt der Werbung – kann allerdings auch als einziger bereits auf Releases in Deutschland bei Meerestief in Stuttgart verweisen. „Die Chance, meine Arbeiten dort zu veröffentlichen, sowie bei diesem Projekt mit Mathias Schaffhäuser zu kooperieren, ist natürlich wunderbar“, begeistert sich Xhin, der musikalisch im Minimal-Bereich angesiedelt ist.

Umtriebig und überall unterwegs sind Tri-Minh und DJ Kruze in Hanoi. Als studierter Musiker ist Tri-Minh Mitglied von verschiedenen Bands und produziert seine eigenen Chill-Out Tracks, wie man auf seiner Myspace-Seite nachhören kann.

„Es ist wichtig für uns, auch den Kontakt nicht nur mit den deutschen DJs zu erhalten, sondern auch mit unseren Kollegen aus den Nachbarländern“, sagt Tri-Minh und zeigt mit einem Lächeln auf die Jungs von Goodnight Electric. „Wir kennen uns ja so gut wie gar nicht und wissen oft auch nicht, was der andere macht, aber dies war eine coole Sache“, betont er und fügt hinzu: „Auf jeden Fall haben wir weitere Treffen und Sessions unter uns asiatischen DJS geplant. Das ist schon ein großer Schritt für uns.“

Deutsche Kulturpolitik auf einer urbanen Ebene, nah am Geschehen und dabei sogar vorwärts weisend. Das zeigt, wie man mit relativ geringen finanziellen Mitteln und großem Engagement viel bewirken, und dabei auch Spaß haben kann. Bitte mehr davon!

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