Uncharted 2
Among Thieves
Man nehme eine Prise „Indiana Jones“, eine Nuance „Tomb Raider“ sowie eine Messerspitze „Mumie 3“, mische diese Zutaten mit frischen eigenen Ideen und voilá, heraus kommt die schönste und abenteuerlichste Schatzsuche, die jemals das Licht der Videospielwelt erblickt hat.
„Uncharted 2 Among Thieves“ ist mehr als die Fortsetzung eines Spitzenspiels. „Uncharted 2“ - ein interaktiver Spielfilm. Diese Bezeichnung wurde schon oft verwendet, aber in diesem Fall ist sie ausnahmsweise auch zutreffend. Das Entwicklungsstudio „Naughty Dog“ hat es nicht nur geschafft wunderschöne Umgebungen zu erschaffen, egal, ob es sich um ein Museum in Istanbul, dichten Dschungel in Borneo, Ruinenstädte in Nepal oder schneebedeckte Bergregionen im Himalaya handelt, sondern verstand es auch, die Polygonfiguren und deren Bewegungsanimationen absolut realistisch in Szene zu setzen, wodurch das optische Gesamtbild perfekt visualisiert auf dem Bildschirm erscheint. Sie haben eine filmreife Story inszeniert, mit glaubhaften Beziehungen, unverhofften Wendungen und vor allem genialen Dialogen, die den Spieler mit Sicherheit mehr als einmal laut auflachen lassen.
Auch der Spielablauf an sich ist ungewöhnlich gut ausgewogen. Er basiert auf den drei Säulen, Shootouts (Action), Kletterpassagen (Geschicklichkeit) und Problemlösung (Rätsel). Diese drei einfachen Komponenten wurden dermaßen gleichmäßig und abwechslungsreich miteinander kombiniert, dass nicht eine Minute Langeweile oder das „jetzt-könnte-mal-was-anderes-passieren-Gefühl“ aufkommt. Die Schauplätze wechseln fast ebenso oft. Romantische abendländische Kulissen, verlassene Ruinenstädte, malerische Bergdörfer, schimmernde Gletscherhöhlen, riesige Tempelanlagen und verwinkelte Klosterkomplexe lassen den Spieler die Schatzsuche praktisch hautnah miterleben. Dabei ist die akribische Detailliebe des Entwicklungsstudios das sprichwörtliche i-Tüpfelchen, das kleine Bisschen, was den Unterschied zwischen einem guten Spiel und einem Spitzenspiel ausmacht. Die Vegetation im Dschungel wirkt plastischer und schöner, als man es sich in der Natur vorstellen könnte. Der Schnee ist nicht einfach nur eine weiße Masse, auf der man Fußabdrücke ausmachen kann. Er geht den Protagonisten fast bis zu den Knien, sie stapfen regelrecht durch einen Polygonschnee, der physikalisch korrekt zerbröselt und an den Kleidungsstücken haftet. Selbst eine verlassene Ruinenstadt wirkt durch aufwirbelnde Staubwölkchen und im Wind wiegende Fahnen lebendig. Im Bergdorf pulsiert das ländliche Leben, mit spielenden Kindern, arbeitenden Menschen und Nutztieren. Dunkle Höhlen werden durch fantastisch aussehende Flammen einer Fackel auf atemberaubende Art und Weise atmosphärisch ausgeleuchtet. Gletschereis wirkt so authentisch, dass man die Kälte praktisch spüren kann. Da macht es umso mehr Spaß sich abseits der Wege nach Schätzen umzuschauen, denn die wenigsten fallen dem Spieler direkt in den Schoß. Schätze bringen Geld, das wiederum in neue Outfits und Waffen investiert werden kann. Von dem neuen Equipment profitiert man zwar erst beim zweiten Durchspielen des Abenteuers, doch die Motivation, diese weltumspannende Reise ein zweites Mal zu durchleben, ist ohnehin gegeben, denn so schnell kann man sich an diesen fantastischen Bildern nicht satt sehen – und nicht satt hören. Der Sound bzw. die Dialoge sind so unglaublich gut gelungen, wie bei keinem anderen Game zuvor. Wortwitz und Situationskomik sind Eigenschaften, die man Videospielen bisher nicht zugetraut hat. Auch hier setzt „Uncharted 2“ einen Meilenstein mit Vorbildcharakter.
Die Story präsentiert sich für einen Abenteuer-Film, bei dem es um die Suche nach verschollenen Schätzen geht, nicht ungewöhnlich. Auf den Spuren von Marco Polo und seiner unter ominösen Umständen verschwundenen Flotte, reist Nathan Drake von einem Hinweis zum nächsten. Dabei erhält er Unterstützung von mal mehr, mal weniger attraktiven Begleitern, die nicht nur schmückendes Buddy-Beiwerk sind, sondern auch selbstständig bei Rätseln oder Shootouts die Initiative ergreifen. Die beim ersten Teil nicht zu unrecht kritisierten Projektilaustauschsituationen laufen nun spannend und abwechslungsreich ab. Die Gegner gehen geschickt in Deckung, versuchen zu flankieren und sind im Stande ihre verschiedenen Waffengattungen flexibel einzusetzen. Scharfschützen halten sich im Hintergrund, nicht selten auf erhöhten Positionen, während gepanzerte Feinde mit schweren Kalibern den Nahkampf suchen. Da trifft es sich gut, dass Nathan seine Combat-Fähigkeiten ausgebaut hat. Dies wird gerade bei körperlichen Auseinandersetzungen deutlich. Geschmeidig setzt er Schläge sowie Tritte an und kann in herrlich animierten Infights vernichtende Contermoves landen. Die Waffenauswahl ist groß. Von der einfachen Automatikpistole über Magnums und Schrotpistolen bis zu Sturmgewehren, Sniper-Rifles, Granat- und Raketenwerfern, fällt die Auswahl schwer, da Nate nur jeweils eine Handfeuerwaffe und ein Gewehr tragen kann. Waren die Shootouts beim Vorgänger noch nicht perfekt ausbalanciert, werden sie hier zum reinen Vergnügen. Nathan kann praktisch überall Schutz suchen, von Deckung zu Deckung hechten und notfalls auch blind schießen, damit er nicht überrannt wird. In vielen Fällen, kann er sich regelrecht an die Wachposten heranschleichen und die ersten Gegner lautlos ausschalten, um sich einen sowohl numerischen als auch strategischen Vorteil zu verschaffen. Dabei laufen die Kampf-Situationen selten gleich ab - oftmals werden sie regelrecht zelebriert. Verwinkelte Ruinen oder Dschungel bieten praktisch überall Deckungsmöglichkeiten. Schnelle Standortwechsel bieten sich hier an, insbesondere wenn man Unterstützung hat. Auf einem fahrenden Zug sieht es mit Deckungen weniger gut aus. Hier sind schnelles und präzises Zielen gefragt. Sucht der Feind ein Areal nach Drake ab, kann man mit langsamen, schleichenden Positionswechseln dem Gegner in den Rücken fallen. Erhalten die Söldner Unterstützung in Form von Panzern, so wie im Bergdorf, wird es richtig hektisch. Feindliche Einheiten und befreundete Kämpfer verwickeln sich an allen Ecken in heftige Scharmützel. Das donnernde Grollen des Kettenantriebs und gewaltige Explosionen machen schnelle Beine, denn ohne die richtige Waffe ist man gegen das stählerne Ungetüm machtlos. Schreie, Schüsse, Granateinschläge, Staubwolken und zerberstende Wände – die Atmosphäre wird hier zum Erlebnis.
Nach hektischen Situationen freut man sich über etwas Ruhe. Da sind Klettereinlagen in Gletscherhöhlen, Hotelfassaden oder herabhängenden Waggons eine willkommene und entspannende Abwechslung. Besonders, wenn der Protagonist in geschmeidigen Bewegungsanimationen selbst anspruchsvollste Hindernisse zu überwinden versteht. Nate klettert an schwierigsten Felswänden elegant wie ein Traceur, hangelt sich mit Seilen über gefährliche Abgründe und schreitet sicher an schwindelerregenden Abgründen entlang.
Die Rätseleinlagen bilden ebenfalls einen ruhenden Pol zum nervenaufreibenden Alltag eines Schatzsuchers. Obwohl man sich nicht wirklich das Kleinhirn zermartern muss, um auf die Lösung zu kommen, macht es unglaublich Spaß in gigantischen Tempelanlagen Spiegel auszurichten oder in luftiger Höhe mit Hilfe von Schaltern und Hebeln Kettenreaktionen hervor zu rufen.
Fazit: So muss ein Abenteuer aussehen. „Uncharted 2“ erschüttert die Welt des Action-Adventure in ihren Grundfesten. Dieses Spiel legt die Messlatte in allen Kriterien so hoch, dass der Konkurrenz angst und bange sein muss. Was für ein Spielerlebnis!
Genre: Action-Adventure
Hersteller/Entwickler: Sony Comp. Ent./Naughty Dog
System: PLAYSTATION 3

