Killzone 3
Ein Sturm ist aufgezogen - einem Blizzard gleich. Die Schneeflocken tanzen in der Luft, die Sicht ist stark eingeschränkt. Das Pfeifen der hohen Windgeschwindigkeit ist monoton und erschwert die Kommunikation. Wie aus dem Nichts erhebt sich eine stählerne Festung, derer Detailgrad eine schier unglaubliche Potenz aufweist. Explosionen krachen im perfekten Zusammenspiel von Feuerwolken und schwarzem Rauch. Pfeifende Projektile, zerbersten mit einem dumpfen Aufprallgeräusch in unmittelbarer Nähe. Metallsplitter und Steine werden durch die Luft geschleudert. Im Dauerfeuer der stationären Gatlings scheint fast die gesamte ISA-Squad den fanatisch verteidigenden Helghast zum Opfer zu fallen. Hektisch gebrüllte Befehle, Todesschreie und das hämmernde Geräusch des eigenen M82-Sturmgewehres durchlöchern die Soundkulisse der Ladesequenz.
Praktisch fließend und ohne jeglichen Grafikverlust übernimmt man die Steuerung und zielt durch das Rotpunkt-Visier des Protagonisten Sevchenko. Während die Patronenhülsen auf den Boden einen hellen Klang verursachen, schießen wir einem Feind den Helm vom Kopf. Unfreiwillig taumelt dieser daraufhin aus seiner Deckung. Einen Sekundenbruchteil später und mit einer nicht jugendfreien Reaktion des Schädels auf unser Spitzmantelgeschoss, sackt der schwer gepanzerte aber leblose Körper zu Boden. Die einen Moment andauernde Feuerpause auf die eigene Position, muss genutzt werden um mit einem Spurt, vorbei an sterbenden Kameraden, die feindliche Front zu flankieren. Noch ein paar Meter, dann können wir den ahnungslosen Soldaten in die Flanke fallen und das Gemetzel beenden. Ein letzter Blick - die Waffe ist durchgeladen. Mit präzisen kurzen Feuerstößen bescheren wir einem halben Dutzend Helghast ihr wohlverdientes Ende und uns 30 Meter Raumgewinn. – „Killzone 3“ ist Adrenalin pur! „Killzone“ ist ein Action-Feuerwerk, ein Gameplay-Highlight und ein Grafikmonster, dass die gesamte Konkurrenz mit einem Bissen runterzuschlucken versucht.
Die Story knüpft direkt an die Geschehnisse des Prequels an. Nachdem man in „Killzone 2“ im letzten Level den Autarch der Helghast in seinem Palast besiegt hatte, konnte man sich im Anbetracht der heraneilenden Feindes-Flotte nicht wirklich als Sieger fühlen, denn die Chancen dieser Übermacht zu entkommen, drohten gen null zu tendieren. Als logische Konsequenz sollen bei Teil 3 die Verantwortlichen „ISA-Attentäter“ im Staatsfernsehen der Helghast hingerichtet werden. Doch bevor es dazu kommt, springt der Storyverlauf 6 Monate zurück und katapultiert den Spieler an den Anfang von 9 Missionen voller Action, Abenteuer und Grafikpracht.
Die Rendervideos von damals sind nun tatsächlich mit der Gameplay-Grafik verschmolzen. Sequenzen und Spielablauf gehen ohne Ladezeiten ineinander über, so dass man eigentlich nie genau weiß, wann eine Mission endet und die neue anfängt. Zu Beginn finden wir uns in der zerbombten Hauptstadt Helghans wieder, mit vielen Beton- und Stahlbauten bzw. Ruinen. Überall brennt es, zerfetzte Fahnen wehen im Wind und Partikel von irgendwas, wirbeln durch die Luft. Die feindlichen Einheiten sind blind vor Wut über das Ableben ihres Autarchen Visari und attackieren ohne Rücksicht auf Verluste. Die ISA-Soldaten versuchen sich zu sammeln und dem Zentrum der Zerstörung zu entkommen. Ein überdimensionaler Kampfläufer feindliche Panzer und Kampfdrohnen reißen große Löcher in die eigenen Reihen doch mit Geschick und Entschlossenheit gelingt letztendlich die Flucht.
Im weiteren Verlauf wechseln die Schauplätze, was bleibt sind akribisch animierte Umgebungen, voll gestopft mit grafischen Details, scharfen Texturen und einem unglaublichen Weitblick. Der Dschungel von Helghan mit seinen aggressiven Stachelpflanzen und den grau, schwarz und orangen Farbtönen, mutet wie ein Friedhof gigantischer Insekten an. Die von tosenden Wellen umgebenen Steilküsten werden von dem eingangs erwähnten Schneesturm heimgesucht. Physikalisch korrekt wirbeln die Schneeflocken durch das Szenario, während die Gischt der Wellen zwischen den Klippen empor steigt. Das Finale spielt in der Atmosphäre von Helghan. Dort kann man die klare, klirrende Kälte praktisch spüren. Die Raumstation bzw. das Schlachtschiff aus Glas und Stahl mit riesigen Räumen und Rundumblick ist so beeindruckend, dass man sich kaum auf die Gegner konzentrieren kann. Überall innerhalb des Vakuums buhlen verschwenderische Details um das Auge des Betrachters. Außerhalb des Komplexes tobt eine gewaltige Schlacht zwischen Battleships und kleineren Kampf-Geschwadern – ein Szenario, das man mitunter gar nicht bemerkt, wenn man sich nicht ein wenig Zeit nimmt. Eine Mission spielt auf einem gigantischen Schrottplatz. Diesem Schrottplatz gebührt in sofern besondere Erwähnung, da man solch ein Ausmaß an Detailfülle bisher kaum für möglich gehalten hätte. Massen von verrostetem Stahl, Bodennebel, Wolken die am Himmel ziehen und gestochen scharfen Texturen lassen die Grafik-Muskeln der Station spielen und beweisen, dass die Entwickler erst jetzt so langsam das volle Potenzial der Konsole abzurufen verstehen.
Konnte man beim Vorgänger noch die endlos langen und eintönigen Positionskämpfe bemängeln, die sich wie ein roter Faden, vom ersten bis ins letzte Level gezogen haben, so sprüht das Gameplay bei „K3“ geradezu vor Abwechslung. Knallharte Positionskämpfe gibt es hier auch zur Genüge, nur mit dem Unterschied, dass die Entwickler geschickt mit Schleich- Fahr- oder Flug-Passagen immer wieder das Tempo drosseln bzw. anziehen, was dem Spielspaß äußerst zuträglich ist. Weitere Faktoren, welche die hohe Qualität dokumentieren, sind die perfekte Trefferabfrage, also die körperlichen Reaktionen der getroffenen Gegner. Auch auf große Entfernung lassen sich, dem Einsatz von Blut sei dank, Hits exakt ausmachen. Wie die Körper der Helghast reagieren, wie sie bei Beintreffern stolpern oder von der Wucht des Aufpralls die Schulter nach hinten gerissen bekommen, macht schon ordentlich Eindruck. Dabei verkommen die finsteren Soldaten mit ihren rot leuchtenden Augen zu keiner Zeit zu hohlem Kanonenfutter. Sie gehen geschickt in Deckung, stecken den Kopf nur selten zweimal an der Selben Stelle heraus und wechseln je nach Beschuss ihre Position. Mal ziehen sie sich zurück, ein anderes Mal greifen sie im Verbund an. Die vielen verschiedenen Helghast-Einheiten legen differenzierte Taktiken an den Tag. Je nach Bewaffnung und Panzerung machen sie dem Spieler mit geduldigen Positionskämpfen oder Furcht einflößenden Sturmläufen das Leben schwer. Während man von Scharf- und RPG-Schützen aus der Entfernung unter Feuer genommen wird, rücken dem Spieler Einheiten mit Flammenwerfern, Sturmgewehren und Schrotflinten dicht auf die Polygonhaut. Besonders fies wird es, wenn mit Klingen bewaffnete Nahkämpfer in den Infight gehen, da bleiben einem meist nur Sekundenbruchteile, um einen der herrlich animierten Nahkampf-Kills anzusetzen.
Ebenfalls sehr Spielspaß zuträglich sind die Ausflüge mit Panzerfahrzeugen „Mech-Suits“, futuristischen Jetpacks, Landungsschiffen, monströsen Schneemobilen oder Raumgleitern. Entweder selbst am Steuer oder an der Bordbewaffnung, machen diese cineastisch animierten Passagen unglaublich viel Spaß.
Im letzten Drittel des Spiels dominieren spektakuläre Bosskämpfe das Szenario. Auf große Gegner folgen viel größere Gegner, bevor man es schließlich mit gigantischen Gegnern zu tun bekommt. Die richtige Taktik und ein gutes Timimg entscheiden hier über Sieg oder Niederlage.
Was wäre ein Egoshooter ohne ausgedehnte Multiplayer-Schlachten. Richtig – unvollständig. Auch hier haben die Guerillas Hand angelegt und schicken den Spieler in derbe Online-Battles mit gut durchdachten Maps. Die Areale sind weitläufig animiert und taktisch hervorragend austariert. Die Kämpfe finden praktisch immer auf mehreren Ebenen statt. Es gibt vom Scharfschützen über Techniker, bis hin zu Sanitäter verschiedene Klassen mit entsprechender Bewaffnung und individuellen Fähigkeiten. Stellt stationäre Geschütze auf, repariert selbige oder belebt eure Kameraden wieder. (Wer in den von Hardcore-Gamern bevölkerten Multiplayer-Maps nicht zu recht kommt, kann im Bot-Mode, zur Übung, dieselben Areale gegen KI-gesteuerte Bots spielen.)
Nun gibt es noch eine gute und eine schlechte Nachricht zu vermelden. Die Gute: Die Kampagne lässt sich auch kooperativ spielen, das ist genial und obwohl es nicht bei allen vergleichbaren Games der Fall ist, sollte dieses Feature zum Standart gehören. Die Schlechte: Leider und unverständlicher Weise, kann man nur im Splitscreen kooperieren und nicht online. Dass ist wiederum mehr als schade und absolut unverständlich.
Fazit: Die Holländer von Guerrilla haben es geschafft, ein Game-Highlight wie „Call of Duty“ in Sekundenbruchteilen zu pulverisieren. Die spektakuläre Optik, die ansprechende KI, sowohl der Gegner, als auch der eigenen Truppen und der abwechslungsreiche Spielablauf haben mich von der ersten bis zur letzten Minute begeistert. Wenn man überhaupt etwas bemängeln kann, dann ist es nur die kurze Spieldauer. Erfahrene Spieler sollten nach ca. 6 Stunden den Abspann zu sehen bekommen. Der enorm hohe Widerspielwert des Storymodes, der Bot-Mode und natürlich die ausgedehnten Multiplayer-Features lassen „Killzone 3“ allerdings zu einem absoluten Meilenstein der Videospielgeschichte avancieren und zu dem Referenz-Egoshooter, an dem es sich in Zukunft zu messen gilt.
Genre: Egoshooter
Herrsteller/Entwickler: Sony Comp. Ent./Guerrilla
Erscheinungstermin: 25 Februar
USK: ab 18
System: PlayStation 3

