Gran Turismo 5
Der Begriff Rennspiel ist ein weitläufiger Begriff, den man auf viele verschiedene Arten auslegen kann. Es gibt Funracer, bei denen man sich mit Raketen, Bomben und Ölteppichen beharkt, es gibt Acarde-Racer, die zwar ein authentisches Bild zu zeichnen versuchen, aber über eine stark vereinfachte Lenkung verfügen, es gibt simulationslastige Rennspiele, die ein realitätsnahes Fahrverhalten vorweisen und Tuning-Optionen bieten und es gibt „Gran Turismo“ den „Real Driving Simulator.
Die Entwickler von „GT 5“ (Polyphony Digital) und vor allem Chefentwickler Kazunori Yamauchi sind Perfektionisten. Es genügt ihnen nicht eine Rennstrecke vom Original in die Virtualität zu transportieren, so mit der Selben Länge, Neigungen und Steigungen.
Sie fotografieren, filmen, vermessen und katalogisieren jedes noch so winzige Detail einer Strecke, so dass jede Bodenwelle, partielle Abnutzung des Bodenbelags oder optisches Merkmal wie Bäume oder Gebäude exakt eins zu eins dem realen Vorbild entsprechen.
Zugegeben, bemerken werden das nur die Profis und Rennfahrer, die den jeweiligen Track schon in der realen Welt gefahren sind, doch es ist ein geniales Gefühl, wenn man weiß, dass einfach alles absolut authentisch ist. Wenn man idealer Weise mit einem Racing-Seat aus der Cockpit-Perspektive eines Fahrzeugs, das auf den Telemetrie-Daten des Hersteller basiert über eine Strecke fährt, die ebenfalls dem Original in oben beschriebener Weise nachempfunden ist, kann man mit Hilfe eines Videospiels zum Rennfahrer heranreifen – oder sich zumindest eine gesunde Basis dafür schaffen. Die Einstellungsmöglichkeiten der Tuning-Teile, wie Kompressoren, Fahrwerke und Getriebe sind so explizit, dass nur tatsächliche Mechaniker deren Komplexität überhaupt erfassen können. Der Großteil der Spieler wird diese Einstellungen nie antasten und lieber auf vorgefertigte Setups zugreifen, aber es ist doch trotzdem faszinierend, dass es möglich ist.
Reifenabrieb, Benzinverbrauch, Verschleißerscheinungen der Karosseriesteifigkeit und natürlich die Abnutzung des Motors bei extremer Belastung - all das sind Tatsachen, die in anderen Rennspielen nicht zum tragen kommen, auch weil einige davon extrem lästig sein können. Bei dem einzigen „Real Driving Simulator“ allerdings gehören sie zum Pflichtprogramm.
Dazu gehört natürlich auch, dass man nicht eine einzige Fahrzeug-Kategorie ausgelassen hat. Man kann angefangen vom Kart und Kleinwagen, VW-Bussen oder Pick-Ups über Kompaktwagen und Tuning-Cars oder Klassikern bis hin zu allen Rennklassen wie Rallye, GT, Nascar oder Formel 1, in allem Platz nehmen was vier Räder hat. Über tausend Fahrzeuge sind es insgesamt. Die Streckenauswahl reicht von fiktiven Kursen über die oben beschriebenen Original-Rennstrecken dieser Welt bis hin zu Stadt- und Landstrecken, Schnee- und Sand-Kursen – nichts wurde ausgelassen, keine Wünsche bleiben offen.
Die ganze Authentizität hat natürlich nur dann einen effektiven Nutzen, wenn die Optik dem Ganzen Rechnung trägt. Nie zuvor, gab es so detaillierte Strecken zu bewundern, das merkt man vor allem bei den Stadtkursen in Madrid, London oder Tokyo. Die Cockpits der Premium-Cars sind mit funktionalen Instrumenten versehen und sehen einfach nur fantastisch aus. Unglaublich ist auch das Zusammenspiel von Licht und Schatten, wie sich die A- und B-Säulen durch Sonnenstrahlen abzeichnen und sich physikalisch korrekt bewegen. Wie die Regentropfen vom Fahrtwind über die Frontscheibe getrieben werden, wie der aufgewirbelte Schnee die Sicht einschränkt - spielerisch gesehen sind das Nichtigkeiten, die aber einen großen visuellen Einfluss auf das Auge des Betrachters haben.
Dass man sich nun auch online gegen menschliche Gegner messen kann, gibt „GT5“ noch mal einen zusätzlichen Schub an Motivation. Auch der B-spec-Mode, bei dem man einen virtuellen Fahrer ausbilden kann, macht dank der per Funk zu übermittelnden Befehle richtig Spaß. Die Ästheten unter den virtuellen Rennfahrern haben ihre helle Freude am Fotomodus. Kein Wunder, sind die einzelnen Fahrzeuge mit dermaßen vielen Polygonen ausgestattet, dass sie fotorealistisch anmuten. So stellt ihr euren Lieblingsboliden in futuristischen Flugzeug Hangars, deutschen Kleinstädten oder vor den Ruinen der Nürburg zur Schau.
Fazit: Die Ansprüche an ein „Gran Turismo“ sind schlicht und einfach: Man erwartet nicht mehr und nicht weniger als die Rennspiel-Referenz. Keiner wird bezweifeln, dass dies auch dieses Mal der Fall ist. Zugegeben, das Menü ist etwas kompliziert und man kann bemängeln, das es von 1000 Fahrzeugen nur 200 Premium-Autos gibt, die über eine Cockpit-Perspektive und mehr Polygone verfügen aber letztendlich findet man immer ein Haar in der Suppe, wenn man nur lange genug darin herumstochert. Wir haben allerdings keine Lust zu stochern und verbringen lieber Runde um Runde, Kilometer um Kilometer mit dem schönsten Rennspiel aller Zeiten. Einsteigen, abfahren und glücklich sein. Manchmal ist das Leben so einfach
Genre: Real Driving Simulator
Hersteller/Entwickler: Sony Comp. Ent./Polyphony Digital
System: PlayStation 3
USK: keine Einschränkung
VÖ: bereits erhältlich

