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Deus Ex: Human Revolution

Von: Peter Radomski

„Deus Ex“ hat eine lange Tradition und einen guten Ruf unter den Videospielern. Gerade in heutigen Zeiten, wo selbst einstmalige Core- zu weichgespülten Casuals-Games verkommen, freuen wir uns über ein Spiel, bei dem nicht jeder Depp mit Hilfe wilder Bildschirm Fuchtelei den Abspann sehen wird.

„Deus Ex: Human Revolution“ ist ein Action-Rollenspiel. Gesteuert wird aus der Ego-Perspekive. Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft, genauer gesagt, im Jahr 2027. Die Stammzellenforschung ist weit vorangetrieben und leistungssteigernde Implantate sind zur Normalität geworden. Als Spieler übernimmt man die Steuerung von Adam Jensen, einem Ex-SWAT-Einsatzleiter, der sich als Sicherheitschef in Detroit bei Sarif Industries arbeitet. Einem Großkonzern, der die Entwicklung biomechanischer Körperteile vorantreibt. Bei einem Anschlag auf das Firmengebäude wird Adam so schwer verletzt, dass er nur mit Hilfe der neusten Technik und durch den massiven Einsatz von Implantaten gerettet werden kann. Mit mechanischen Armen und Beinen ausgestattet, sowie zahlreichen weiteren „Upgrades“, bemüht er sich die Hintergründe der offensichtlich politisch motivierten Tat zu ergründen. Bei seinen Ermittlungen gerät Adam in ein Netz aus Verschwörungen und kommt schließlich einem Konflikt auf die Spur, der weit über einen terroristisch motivierten Anschlag hinausgeht.

Das Besondere an „Deus Ex“ ist die Tatsache, dass man in seiner Spielweise kaum eingeschränkt wird und die Missionen so konzipiert wurden, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, seine Aufgaben zu lösen. Man kann sowohl mit Sturmgewehren, Rocket-Launcher und Brachialgewalt an sein Ziel kommen, als auch schleichend in bester Splinter Cell-Manier. Wer es lieber technischer mag, hackt sich durch anspruchsvolle computergesteuerte Schließmechanismen und deaktiviert Kamera- und Sicherheitssysteme. Auch die Charackter-Entwicklung obliegt den jeweiligen Vorlieben. Kämpferische Naturen investieren in gepanzerte Haut, schwere Waffen und Rückstoßdämpfende Implantate in den Armen. Waffen-Upgrades sorgen für mehr Munition, Laserzielvorrichtungen und erhöhten Schaden. Computer-Freaks verzichten weitgehend auf dicke Wummen und durchschlagskräftige Projektile. Sie setzen auf Viren und Würmer, gesteigerte Hacker-Skills und Energieriegel als Nervennahrung. Sie umgehend spielend leicht Sicherheitssysteme, an dem sich der Frontsoldat vergeblich die Zähne ausbeißt. Wer weder Lust hat sich eine Nerd-Brille aufzusetzen, noch als Rambo durch die Gegend zu ballern, bekommt die Option sich als schleichender Agent zu versuchen. Wer diese Fähigkeiten schult, kann sich praktisch unsichtbar machen, vor Patrouillen verbergen, durch enge Lüftungsschächte klettern und mit einer Betäubungspistole in bester Metal Gear Solid-Manier potenzielle Feinde temporär außer Gefecht setzen. Leider sind die Inventar-Slots so angelegt, dass man nur eine der genannten Spezifizierungen, sinnvoll anwenden kann. Es ist also kaum möglich sich alle Fähigkeiten gleichzeitig anzueignen. Zumindest nicht so, dass alles mit der gleichen Effektivität genutzt werden kann. Da macht ein mehrmaliges Durchspielen von „Human Revolution“ also gleich dreifach Sinn.

Das Kernelement von „Deus Ex“ sind die Implantate. Mit Praxispunkten, die durch Erfahrung generiert oder für viel Geld in LIMB-Kliniken gekauft werden, macht man nach und nach aus seinem Körper das ultimative Werkzeug für die favorisierte Spielweise. Dabei sind es oftmals die unscheinbaren Upgrades, die große Wirkungen erzielen. Mit verstärkten Beinen kann man zum Beispiel gleich mehrere Meter hoch springen, seinen Gegnern über die Dächer entkommen und benötigt keine gestapelten Kisten, um höher hinaus zu kommen.

Zwischen den Aufträgen kann man sich frei in den Metropolen Detroit und Schanghai bewegen. Dort gibt es viele Nebenmissionen zu erschließen oder Items bzw. Devisen zu generieren. Dabei sind die Auftraggeber manchmal nur durch Zufall zu finden und werden nicht auf einer Karte angezeigt. Das mag so mancher negativ auslegen, doch letztendlich gewährleistet dieses System einerseits, dass man belohnt wird, wenn man die Umgebung akribisch erforscht. Andererseits findet man bei nochmaligen durchspielen eventuell wieder ganz andere und neue Auftraggeber.

Begibt man sich auf nächtliche Streifzüge, kann jederzeit etwas Unvorhergesehenes passieren. Mal platzt man ungewollt in eine Entführung hinein, ein anderes Mal wird man von einem aggressiven Junkie überrascht. Seltsam sind teilweise die Reaktionen bzw. die nicht vorhandenen Reaktionen der Geschädigten. Denen scheint es zumindest überhaupt nichts auszumachen, wenn man sie um ihr Geld, Spirituosen oder Munition der erleichtert.

Fazit: Story und Spieltiefe sind bei „Deus Ex: Human Revolution“ sehr ausgeprägt. Wer hier wirklich alle Aufgaben erfüllen und jeden Winkel erkunden will, hat eine ganze Menge zu tun. Schwächen offenbaren sich sowohl technisch als auch optisch. Die Grafik wirkt im Vergleich zu anderen Genrevertretern auf dem aktuellen Markt leicht angestaubt. Nicht vorhandene Reaktionen der CPU-gesteuerten Figuren trüben ein wenig die Atmosphäre. Das soll allerdings niemanden davon abhalten dem Spiel volle Aufmerksamkeit zu widmen, denn „Deus Ex“ ist ein spielerisches Highlight, das es heutzutage leider viel zu selten gibt.

 

Genre: Action-RPG

Hersteller/Entwickler: Square Enix/Eidos

USK: ab 18

VÖ: bereits erhältlich

System: PS3, XBOX 360, PC

 

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